Wenn Deutsch & Englisch sich missverstehen
Englisch ist längst keine „Fremdsprache“ mehr im klassischen Sinn – wir hören und sprechen es fast täglich. Viele von uns nutzen es fließend im Beruf, schauen Serien im Original und lesen englischsprachige Websites. Umso erstaunlicher ist es, wie oft wir trotzdem in die Falle sogenannter „False Friends“ (falscher Freunde) tappen – Wörter, die zwar gleich aussehen oder klingen, aber eine ganz andere Bedeutung haben.
Warum gerade bei Englisch so häufig?
Weil wir uns in einer trügerischen Komfortzone bewegen: Wir glauben, den englischen Begriff zu kennen – und schenken ihm daher weniger Aufmerksamkeit. Das Gehirn neigt dazu, visuelle oder phonetische Ähnlichkeit als Bedeutungsäquivalenz zu interpretieren.
Bei „bald“ (engl.: glatzköpfig) und „bald“ (dt.: in Kürze) führt dies schnell zu Missverständnissen, ebenso bei „chef“ (engl.: Küchenchef) und „Chef“ (dt.: Vorgesetzter).
Beispiele häufiger False Friends im Englischen und Deutschen
| Deutsch (Ausgang) | Häufig falsch übersetzt als … | Bedeutung des falsch verwendeten englischen Begriffs | Korrekte Übersetzung im Kontext |
|---|---|---|---|
| aktuell | actual | tatsächlich, wirklich | current, at present, up-to-date |
| eventuell | eventually | schließlich, letztendlich | possibly, maybe, perhaps |
| Lokal (Gastronomie) | local | örtlich; Einheimischer | restaurant, bar, pub, diner (je nach Kontext) |
| Chef | chef | Küchenchef | boss, manager |
| Gift | gift | Geschenk | poison |
| Handy | handy | praktisch, nützlich | mobile phone, cell phone, smartphone |
| genial | genial | freundlich, liebenswürdig (engl. „genial“) | brilliant, ingenious |
| Rezept | receipt | Quittung | recipe; (medizinisch) prescription |
| sympathisch | sympathetic | mitfühlend, verständnisvoll | likeable, personable, friendly |
| sensibel | sensible | vernünftig, sinnvoll | sensitive |
| Fabrik | fabric | Stoff, Gewebe | factory, plant, manufacturing facility |
| Rat | rat | Ratte | advice; council (Gremium) |
| Provision | provision | Bestimmung/Klausel, Bereitstellung, Vorrat | commission (sales commission) |
| bekommen | become | werden | get, receive |
| bald | bald | glatzköpfig | soon, shortly |
| Rente | rent | Miete, mieten/vermieten | pension, retirement benefits |
| Billion (10¹²) | billion | Milliarde (10⁹) | trillion (US/modern engl.) |
| Gymnasium (Schulform) | gymnasium | Sporthalle | (academic) high school; grammar school (UK) |
| Kaution | caution | Vorsicht | deposit, security deposit, (jur.) bail |
| Konkurrent | concurrent | gleichzeitig, parallel verlaufend | competitor, rival |
| Brief | brief | kurz, (Subst.) Kurzdarstellung/Anweisung | letter |
| blenden | (to) blend | mischen, vermengen | (to) dazzle, (to) blind, glare |
| winken | (to) wink | zwinkern | (to) wave |
| Robe (Richter/Anwalt/Talar) | robe | Morgenmantel, Bademantel | gown, robe (judicial/academic) |
Einfluss aufs Deutsche – falsche Apostrophe & Co.
Nicht nur Bedeutungen schleichen sich ein, auch Schreibweisen: Das berühmte Genitiv-’s („Peter’s Auto“) ist ein direkter Import aus dem Englischen – im Deutschen ist das falsch. Korrekt wäre „Peters Auto“. Trotzdem begegnet man dieser englischen Form auf Schildern, in Werbung und Social Media ständig.Auch Wortbildungen wie „Service Point“ oder „Meeting Room“ werden oft direkt übernommen, obwohl es treffende deutsche Begriffe gäbe. Das ist zwar nicht immer falsch – aber oft wirkt es unnötig eingedeutscht.
Solche Transfers sind ein Beispiel für Sprachkontaktphänomene, bei denen eine dominante Sprache (hier: Englisch) Normen in eine andere Sprache überträgt. Während dies im Vokabular oft bewusst geschieht, erfolgt es in der Orthografie häufig unreflektiert.
Fazit
„False Friends“ verdeutlichen, dass auch eine vertraute und gut beherrschte Sprache tückische Fallstricke bereithalten kann. Sie sind ein Paradebeispiel dafür, wie Sprachähnlichkeit – anders als Sprachferne – zu einer besonderen Form der Fehlinterpretation führt. Gleichzeitig illustriert der unkritische Import orthografischer Konventionen, wie eng verflochten die beiden Sprachsysteme mittlerweile sind – und wie notwendig es bleibt, sprachliche Kompetenz kritisch zu reflektieren.










